Blog oder Facebook?

Kürzlich stieß ich auf eine interessante Hausarbeit zur Relevanz von Unternehmensblogs im Social Media Marketing , die an der Hochschule der Medien in Stuttgart erstellt worden war. Der Autor, Tilo Hensel, setzt sich mit dem Phänomen auseinander, dass sich das Interesse von Unternehmen zunehmend von Blogs hin zu Sozialen Netzen wie Facebook & Co verlagert.  Dabei bietet ein Unternehmensblog unersetzliche Vorteile:

Es ermöglicht Bezugsgruppen jeder Art, die ein Interesse an dem Unternehmen haben, in einem offenen Austausch mit ihm zu kommunizieren.

Dadurch, dass hier nicht Produktwerbung, sondern Themen, Informationen und Unterhaltung im Vordergrund stehen, werden Reputation und Glaubwürdigkeit des Unternehmens gestärkt.

Im Gegensatz zu Auftritten auf Facebook & Co bietet ein Blog Unabhängigkeit und Freiheit in der Nutzung. Da kann kein Konto gesperrt werden und Daten und Inhalte können nicht von Dritten entfernt werden oder verloren gehen.

Ein Blog bedeutet auch Freiheit in Gestaltung und Umfang der Inhalte, um sie entsprechend dem Corporate Design umzusetzen. Wie Tilo Hensel schreibt:

 „Die Identität des Unternehmens wird für den Besucher des Blogs auf einen Blick sichtbar bzw. wiedererkennbar.“

Blog-Beiträge sind öffentlich, niemand muss Mitglied einer  „Community“ werden, um sie zu lesen und zu kommentieren, womit ja ein „enormes Reichweitenpotenzial“ verschenkt wird (Lange, 2013).

Ein Blog ist langlebig. Es erzeugt weit weniger spontane Resonanz beim breiten Publikum, aber seine Beiträge werden im Gegensatz zu einzelnen Postings auf Facebook & Co in Internetsuchen gut gefunden. Um noch einmal Tilo Hensel zu zitieren:

Auf lange Sicht können mit einem Artikel, der in den Suchmaschinen auffindbar ist, häufig deutlich mehr Leser erreicht werden. Jemand, der über einen Suchbegriff auf einen Artikel aufmerksam wird, bringt ein intensiveres Interesse für das Thema mit als jemand, dem in den Social Networks relativ zufällig ein Beitrag angezeigt wird. Das heißt, ein Blog findet über Suchmaschinen besonders interessierte Leser, die auch bereit sind, ausführlichere Inhalte zu lesen.“

Auf der anderen Seite riskiert ein Unternehmen, wenn es nur ein Blog betreibt, dass es zu wenig Beachtung findet. Es verschenkt  die Chance, Aufmerksamkeit über die sozialen Medien auf seine Webseite zu leiten und sich neue Nutzergruppen zu erschließen.

Weblog oder Social Media? Die Frage ist nur mit UND zu beantworten.  Richtig eingesetzt ergänzen Social Media und Unternehmensblogs einander in höchst sinnvoller Weise. Im Idealfall ist das Unternehmensblog die Plattform, mit der es als „Kommunikationszentrale“  für alle Inhalte und Kontakte über die sozialen Medien auf sich aufmerksam macht.

In der Arbeit von Tilo Hensel finden sich neben guten Gedanken und interessanten Argumenten Links zu weiteren Texten zu diesem Thema, die ich hier wiedergeben möchte:

Eck, K. (2007): Corporate Blogs. Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden. Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden, Zürich 2007.
Eck, K. (2012): Warum das Corporate Blogging besser als Facebook ist (Online abrufbar unter: http://pr-blogger.de/2012/07/18/warum-das-corporate-blogging-besser-als-facebook-ist/; Abruf 23.5.2013).
Fischer, T. E. (2004): Corporate Blogs – Seifenblase oder Bereicherung? (Online abrufbar unter: http://www.neuegegenwart.de/ausgabe40/corporateblogs.htm; Abruf 23.5.2013).
Gassner, O. (2013): Facebook ist nicht das Internet (Blogparade) (Online abrufbar unter: http://blog.oliver-gassner.de/archives/5518-Facebook-ist-nicht-das-Internet-Blogparade.html; Abruf 26.5.2013).
Haeusler, J. (2012): 2013: Das Web zurückerobern (Online abrufbar unter: http://www.spreeblick.com/2012/12/28/2013-das-web-zuruck-erobern/; Abruf 23.5.2013).
Hedemann, F. (2013): fbcamp: Facebook-Page vs. Corporate Blog (Online abrufbar unter: http://t3n.de/news/fbcamp-facebook-page-vs-447597/; Abruf 26.5.2013).
Hensel, T. (2011): Social Media = Mitmachweb (Online abrufbar unter: http://www.tilo-hensel.de/social-media-mitmachweb; Abruf 23.5.2013).
Hettler, U. (2010): Social Media Marketing. Marketing mit Blogs, sozialen Netzwerken und weiteren Anwendungen des Web 2.0, München 2010.
Hoffmann, K. (2012): Corporate Blogs: Wo ist Ihre Mitte? (Online abrufbar unter: http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2012/05/30/coporate-blogs-mitte/; Abruf 30.5.2013).
Hoffmann, K. (2013): Nochmal: “Dein” Facebook gehört dir nicht! (Online abrufbar unter: http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2013/03/19/nochmal-dein-facebook-gehort-dir-nicht/; Abruf 23.5.2013).
Jakubetz, C. (2013): Das große Missverständnis Facebook (Online abrufbar unter: http://www.cicero.de/blog/christian-jakubetz-unhipster/2013-03-19/das-grosse-missverstaendnis-facebook; Abruf 23.5.2013).
Jodeleit, B. (2013): Social Media Relations. Leitfaden für erfolgreiche PR-Strategien und Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0, Heidelberg 2013.
Kriwoj, S. (2012): Wozu in Zeiten von facebook ein Blog? (Online abrufbar unter: http://www.thecommunist.de/blogs-wozu-jetzt-noch/; Abruf 23.5.2013).
Lange, M. (2013): Einladung zum Crowdsourcing: Der “Downside” einer Facebook-centric Strategie (Online abrufbar unter: http://blog.talkabout.de/2013/01/16/einladung-zum-crowdsourcing-der-downside-einer-facebook-centric-strategie/; Abruf 26.5.2013).
Lobo, S. (2012): Euer Internet ist nur geborgt (Online abrufbar unter: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobos-kolumne-zum-niedergang-der-blogs-in-deutschland-a-827995.html; Abruf 23.5.2013).
Schulze-Kopp, A. (2013): Der ideale Partner in der Unternehmenskommunikation – Der Firmenblog (Online abrufbar unter: http://schulzekopp.de/2013/03/25/der-ideale-partner-in-der-unternehmenskommunikation-der-firmenblog/; Abruf 23.5.2013).
Steinschaden, J. (2012): WordPress: “Bloggen ist lebendiger denn je” (Online abrufbar unter: http://futurezone.at/digitallife/12322-wordpress-bloggen-ist-lebendiger-denn-je.php; Abruf 30.5.2013).
Stelzner, M. A. (2009): Social Media Marketing Industry Report. How Marketers Are Using Social Media to Grow Their Businesses (Online abrufbar unter: http://marketingwhitepapers.s3.amazonaws.com/smss09/SocialMediaMarketingIndustryReport.pdf; Abruf 2.6.2013).
Stelzner, M. A. (2013): Social Media Marketing Industry Report. How Marketers Are Using Social Media to Grow Their Businesses (Online abrufbar unter: http://www.socialmediaexaminer.com/SocialMediaMarketingIndustryReport2013.pdf; Abruf 2.6.2013).
Weinberg, T./Pahrmann, C./Ladwig, W. (2012): Social Media Marketing — Strategien für Twitter, Facebook & Co, Köln 2012.
Wragge, A. (2013): Inhalte auf Facebook veröffentlichen: Was muss ich beachten? (Online abrufbar unter: http://irights.info/inhalte-auf-facebook-veroffentlichen-was-muss-ich-beachten).
Zerfaß, A. (2005): Corporate Blogs: Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen (Online abrufbar unter: http://www.zerfass.de/CorporateBlogs-AZ-270105.pdf; Abruf 23.5.2013).

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2 Gedanken zu „Blog oder Facebook?

  1. volle Zustimmung. FB und Blogs haben jeweils eine unterschiedliche Funktion in der Kommunikation. Blogs sind für intensive inhaltliche Diskussionen da und zur Archivierung geeignet, da die Texte leichter gefunden werden. FB dagegen ist eher ein PR-Instrument, um auf Content aufmerksam zu machen. Anders gesagt, durch FB entsteht erst Kommunikation mit Kunden/Interessierten usw.. Innerhalb von FB kann natürlich auch diskutiert werden, aber nicht so tiefgehend und eher auch zeitlich beschränkt.

    eine Anmerkung noch: ja, Blogs haben theoretisch ein größeres Reichweitenpotenzial. Real würde ich dies aber bestreiten, da einige Dinge vorhanden sein müssen, damit dies klappt. Reichenweitenpotenzial = Leser + Leser, die auf Content reagieren. Dies ist meistens bei FB besser. Deshalb ist FB auch ein Kanal zwischen Content und Leser. Es gibt aber auch noch viele andere Kanäle, über die man Leser erreichen kann. Blog ist demnach die Basis und FB, Twitter usw. sind Kanäle, um Aufmerksamkeit zu generieren.

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